Wechseljahre & Hormone

Die Wechseljahre (auch Menopause oder Klimakterium) markieren einen natürlichen Übergang im Leben jeder Frau, meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. In dieser Phase stellt der Körper die Produktion von Östrogen und Progesteron schrittweise ein. Was viele nicht wissen: Die Auswirkungen gehen weit über Hitzewallungen hinaus.

Dr. med. Caroline Gerber-Zahnd bei einer Beratung zum Thema Wechseljahre in ihrer Frauenarztpraxis in Chur

Typische Beschwerden in den Wechseljahren

Körperliche Symptome

  • Hitzewallungen und Schweissausbrüche – plötzliche Wärmewellen, oft nachts besonders intensiv 

  • Schlafstörungen – Ein- und Durchschlafprobleme, häufig verstärkt durch nächtliches Schwitzen 

  • Gewichtszunahme – vor allem in der Körpermitte, bedingt durch einen verlangsamten Stoffwechsel 

  • Trockene Haut und Schleimhäute – betrifft auch Augen und Intimbereich 

  • Gelenk- und Muskelschmerzen – oft unterschätzt, aber weit verbreitet 

  • Herzrasen und Kreislaufbeschwerden 

  • Haarausfall und brüchige Nägel 

Psychische Symptome

  • Stimmungsschwankungen von Reizbarkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen 

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, der sogenannte «Brain Fog»

  • Antriebslosigkeit und Erschöpfung 

  • Ängstlichkeit,  bei manchen Frauen erstmals auftretend

Die unterschätzten Langzeitfolgen des Hormonmangels

Während die akuten Beschwerden mit der Zeit nachlassen können, hat der dauerhafte Östrogenmangel weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit: 

Knochengesundheit

Östrogen schützt die Knochen. Nach den Wechseljahren verlieren Frauen bis zu 3–5 % ihrer Knochenmasse pro Jahr. Das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche – besonders an Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenk – steigt erheblich. 

Herz-Kreislauf-System

Vor den Wechseljahren haben Frauen ein deutlich niedrigeres Herzinfarktrisiko als Männer. Dieser Schutz verschwindet mit sinkendem Östrogenspiegel. Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden zur häufigsten Todesursache bei Frauen über 65. 

Stoffwechsel und Diabetes-Risiko

Der Hormonmangel begünstigt Insulinresistenz und erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes. Auch die Blutfettwerte (LDL-Cholesterin) verschlechtern sich häufig. 

Urogenitale Gesundheit

Chronische Scheidentrockenheit, wiederkehrende Harnwegsinfekte und Inkontinenz sind keine Seltenheit – und beeinträchtigen die Lebensqualität oft erheblich. 

Kognitive Veränderungen

Es gibt Hinweise darauf, dass Östrogenmangel das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen im Alter erhöhen kann. Die Forschung hierzu ist noch nicht abgeschlossen, aber die Zusammenhänge werden zunehmend untersucht. 

Was können Sie tun?

Lebensstil-Massnahmen

  • Bewegung: Krafttraining stärkt Knochen und Muskeln, Ausdauersport schützt das Herz 

  • Ausgewogene Ernährung: kalziumreich, Vitamin-D-haltig, mit gesunden Fetten 

  • Rauchstopp: Rauchen verstärkt nahezu alle Wechseljahresbeschwerden und -risiken 

  • Stressreduktion: Yoga, Meditation und ausreichend Schlaf können Symptome lindern 

Medizinische Optionen

Die Hormonersatztherapie (HRT) mit bioidentischen, körpereigenen Hormonen, welche in ihrer Struktur exakt den im Körper produzierten Hormonen entsprechen, kann dabei helfen, hormonelle Ungleichgewichte schonend auszugleichen. Moderne, individuell dosierte Präparate – insbesondere transdermal (über die Haut) angewendetes bioidentisches Östrogen kombiniert mit bioidentischem mikronisiertem Progesteron – gelten heute als deutlich sicherer als frühere Therapieformen. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, das Wohlbefinden zu verbessern und langfristig Ihre Gesundheit zu unterstützen. 

Auch pflanzliche Präparate, lokale Östrogentherapie für urogenitale Beschwerden oder nicht-hormonelle Medikamente können je nach Situation hilfreich sein. 

Fazit

Die Wechseljahre (Menopause) sind eine natürliche Lebensphase, die jedoch häufig mit körperlichen und emotionalen Veränderungen einhergeht. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Gewichtszunahme können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. In unserer Praxis begleiten wir Sie als erfahrene Gynäkologinnen individuell und einfühlsam durch diese Zeit.  

Vorzeitige Menopause

Von einer vorzeitigen Menopause spricht man, wenn die Wechseljahre bereits vor dem 40. Lebensjahr einsetzen. Ursache ist eine verminderte Funktion der Eierstöcke, wodurch weniger Hormone produziert werden und die Fruchtbarkeit eingeschränkt sein kann. 

Häufige Symptome

  • Unregelmässige oder ausbleibende Menstruation  

  • Hitzewallungen und Nachtschweiss  

  • Schlafstörungen und Müdigkeit  

  • Stimmungsschwankungen  

  • Scheidentrockenheit  

  • Verminderte Libido

Mögliche Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig und oft nicht eindeutig feststellbar. Dazu gehören genetische Faktoren, Autoimmunerkrankungen, medizinische Behandlungen oder operative Eingriffe an den Eierstöcken. 

Diagnose & Behandlung

Die Diagnose erfolgt mittels hormoneller Untersuchungen und gynäkologischer Abklärung. Eine individuell abgestimmte Behandlung kann helfen, Beschwerden zu lindern und langfristige Folgen zu vermeiden. Dazu zählen unter anderem Hormontherapien, Unterstützung der Knochengesundheit sowie Beratung bei Kinderwunsch. 

Frühzeitig handeln

Bleibt die Menstruation über längere Zeit aus oder treten Wechseljahresbeschwerden bereits in jungen Jahren auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.  

Haben Sie weitere Fragen zu Ihren Hormonen oder Wechseljahren? 

Gerne klären wir Ihre Beschwerden in einem persönlichen Gespräch ab und besprechen die verschiedenen Therapieansätze mit Ihnen. 

Häufig gestellte Fragen